Hallo,
am 10. Oktober war Welttag der psychischen Gesundheit. Für mich ist dieser Tag ein wichtiger Anlass, über ein Thema zu sprechen, das viele ältere Menschen betrifft, über das aber noch immer zu wenig gesprochen wird: Einsamkeit.
Einsamkeit kann jede und jeden von uns treffen. Gerade im Alter kann sich das Leben jedoch verändern: Der Partner oder die Partnerin verstirbt, gesundheitliche Einschränkungen machen manches schwieriger, der Freundeskreis wird kleiner oder vertraute Begegnungen im Alltag fallen weg. Was zunächst wie eine kleine Veränderung wirkt, kann mit der Zeit dazu führen, dass man sich immer stärker zurückzieht.
Das dürfen wir als Gesellschaft nicht einfach hinnehmen.
Einsamkeit ist mehr als ein unangenehmes Gefühl. Wenn sie über längere Zeit anhält, kann sie auch unsere Gesundheit belasten. Studien zeigen Zusammenhänge mit einem höheren Risiko für Depressionen, Angststörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität leiden darunter.
Wir brauchen Begegnungen und Gemeinschaft
Gerade im Alter sind regelmäßige soziale Kontakte besonders wertvoll: Ein Gespräch bei einem Kaffee, ein gemeinsamer Spaziergang, ein Ausflug, ein Vereinsabend oder einfach jemand, der anruft und fragt: „Wie geht es dir?“
Auch das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas beitragen zu können, ist für viele Menschen entscheidend. Deshalb ist ehrenamtliches Engagement so wertvoll. Wer sich für andere einsetzt, bleibt selbst Teil der Gemeinschaft und erlebt, dass die eigene Erfahrung und das eigene Können gefragt sind.
Ich ermutige Sie daher: Bleiben Sie aktiv, suchen Sie die Begegnung und nehmen Sie Angebote in Ihrer Gemeinde oder Ihrem Bezirk an. Und wenn Sie merken, dass Sie sich immer öfter zurückziehen und Ihnen die Kontakte fehlen, sprechen Sie darüber. Es ist keine Schwäche, zu sagen: „Ich fühle mich einsam.“
Genauso wichtig ist es, dass wir selbst aufmerksam sind. Vielleicht gibt es jemanden in unserer Nachbarschaft, im Freundeskreis oder in der Familie, von dem wir schon länger nichts gehört haben. Manchmal braucht es gar nicht viel: ein Anruf, eine Einladung oder ein gemeinsamer Spaziergang.
Alter soll nicht mit Einsamkeit gleichgesetzt werden
Ich möchte, dass wir unser Bild vom Älterwerden verändern. Älter zu werden bedeutet nicht, sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. Seniorinnen und Senioren sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft – mit Lebenserfahrung, mit Wissen, mit Fähigkeiten.
Wir brauchen deshalb mehr Möglichkeiten, damit ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können: Begegnungs- und Freizeitangebote, gute Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement und niederschwellige Unterstützungsangebote, wenn jemand Hilfe braucht.
Als Seniorenbund setzen wir uns dafür ein, dass Ältere nicht nur gut versorgt sind, sondern gut und selbstbestimmt leben. Denn gutes Älterwerden bedeutet für mich nicht nur, möglichst lange körperlich gesund zu bleiben. Es bedeutet auch, dazuzugehören.
Menschen um sich zu haben. Gebraucht zu werden. Gemeinsam zu lachen, zu reden und am Leben teilzunehmen. Vor allem bedeutet es: nicht allein gelassen zu werden.
Einsamkeit darf im Alter kein Schicksal sein.
Ihre Ingrid Korosec